Ikonik und Vergänglichkeit, Mythos und Maskulinität stehen für mich im Mittelpunkt meiner Photographien – Transformationen zwischen Identitäten, Realitäten oder Geschlechtern. Meine Arbeiten bilden einen Versuch, traditionelle Wahrnehmungsweisen westlicher Kultur, Kunstgeschichte, Religion, Maskulinität und Mythologie zu dekonstruieren und umzuschreiben.

Hypnopomp – so ein Terminus, der auf Frederic Myers im 19. Jahrhundert zurückgeht, beschreibt genau jenen Moment vor dem Erwachen, in dem sich uns umgebende Figuren und Lichtverhältnisse für einen kurzen Augenblick unserem Traum einschreiben und vollkommen neue Formen und Erscheinungen auf deren Basis entstehen lassen. Jene amorphen Wesen, Formationen und Hybride versuche ich, in unserem heutigen Alltag aufzuspüren.

Zentrales Anliegen ist für mich die Dekonstruktion und Synthetisierung unterschiedlicher Bedeutungsebenen und vor allem der Moment der letztendlichen Transformation und dessen Konsequenzen – ob die Passage aus der Welt der Kindheit in jene der Erwachsenen, die Verwandlung an sich – von einem Jungen in ein Mädchen, einem Menschen zu einem Tierwesen, einem alltäglichen Ich zu einem übergeordneten oder vollkommen neuem. Insbesondere innerhalb der urbanen Jugendkultur begebe ich mich hier auf die Suche.

Elemente flämischer Portraitmalerei und die Photographie des 19. Jahrhunderts verweben und verwandeln sich in meinen Portraits zu zeitgenössischen digitalen Welten. Um eine maximale Fokussierung zu ermöglichen, isoliere ich mein Subjekt vollkommen mittels eines schwarzen Hintergrundes. Es erlaubt die Überwindung von Zeit und Raum für den singulären Moment der Transformation. Aufgenommen sind die Portraits immer vor Ort.

Jeder Metamorphose wohnt ein Abschied inne – der Preis, den eine Passage von einem Zustand in den anderen fordert. In diesem Sinne lässt sich meine Arbeit auch als eine fortlaufende Untersuchung des Vergänglichen selbst lesen: als eine lange Reihe von Übergängen, Auflösungen und Lebewohls.